Ozan Türk ist mehrfacher Juniorenmeister und inzwischen absoluter Profi im Herrenbereich. Für ihn beginnt jeder gute Haarschnitt nicht an der Maschine, sondern im Gespräch: Typberatung ist der erste Schritt, um die Möglichkeiten unterschiedlicher Männerhaarschnitte individuell umzusetzen.
Seine Einschätzung, wohin es 2026 und 2027 geht – und was das für die tägliche Arbeit am Stuhl bedeutet.
Der Trend geht zurück zum Natürlichen
„Weg von der perfekt gestylten Frisur“ – so fasst Türk die Richtung zusammen. Die Haare sollen leicht, locker und authentisch wirken. Das klingt nach weniger Arbeit, ist aber das Gegenteil: Ein Look, der ungemacht aussehen soll, verzeiht handwerklich weniger als einer, der offensichtlich gestylt ist.
Weiche Fades statt harter Kanten
Low- und Mid-Taper-Fades sind aktuell deutlich gefragter als extrem harte Skin Fades. Die Übergänge wirken weicher – und, das ist der praktische Vorteil für die Kundschaft, sie wachsen auch schöner heraus.
Für den Salon heißt das zweierlei: Der Kunde kommt nicht schon nach zwei Wochen mit einer sichtbaren Kante zurück – und er ist mit dem Schnitt länger zufrieden. Wer beim Beratungsgespräch erklärt, warum ein Mid Taper hier die bessere Wahl ist, verkauft keine Technik, sondern ein besseres Ergebnis über Wochen.
Längere Oberpartien kommen zurück
Längere Oberpartien und insgesamt etwas längere Frisuren sind wieder da. Dadurch entstehen deutlich mehr Möglichkeiten, den Look individuell zu gestalten – und damit wird die Beratung wichtiger. Bei einer kurzen Oberpartie gibt es wenig zu entscheiden. Bei einer langen entscheidet fast alles: Fall, Textur, Scheitel, Styling.
Das Messer ist zurück
Genau dadurch erlebt die klassische Messertechnik ein Comeback. Mit dem Messer lassen sich weiche Texturen und fließende Übergänge schaffen, die mit Schere und Maschine so nicht entstehen. Das macht die Haarschnitte lebendiger – und zeigt echtes Handwerk.
Wer die Technik nie richtig gelernt oder lange nicht angewendet hat, hat hier eine konkrete Weiterbildungslücke. Und einen Wettbewerbsvorteil, sobald sie geschlossen ist: Messerarbeit ist nichts, was sich nebenbei aus einem Video aneignen lässt.
Kein Haarschnitt von der Stange
„Generell wünschen sich Kunden heute keinen Haarschnitt von der Stange mehr“, sagt Türk. Sie möchten einen Look, der zu ihrer Gesichtsform, ihrer Haarstruktur und ihrem Alltag passt.
Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen. Ein Schnitt, der morgens zehn Minuten Styling braucht, ist für jemanden mit Frühschicht kein guter Schnitt – egal wie gut er im Salon aussieht.
Beim Styling: matt statt glänzend
Der Trend geht klar zu matten Produkten mit natürlichem Finish. Die Frisur soll gut aussehen, ohne überstylt zu wirken. Für die Produktempfehlung am Ende des Termins bedeutet das: Wachs mit hohem Glanzanteil und harte Gele passen zu den aktuellen Looks schlicht nicht mehr.
Was das für deine Weiterbildung heißt
Drei der genannten Punkte sind reine Handwerksthemen – Taper-Techniken, Messerarbeit, Texturierung. Sie lassen sich gezielt trainieren, am besten am Modell und in kleinen Gruppen. Genau dafür gibt es unsere Salonschulungen direkt im Betrieb: ein Trainer kommt zu euch, ihr wählt den Schwerpunkt.
Wer den Herrenbereich zu seinem Schwerpunkt machen will, findet den nächsten Schritt in der Ausbildung zum Friseurtrainer (HWK) oder im Meisterkurs.
Expertentipps von Ozan Türk
Was ist der Unterschied zwischen Low, Mid und High Taper Fade?
Die Bezeichnung beschreibt, auf welcher Höhe der Übergang beginnt – tief am Haaransatz, auf mittlerer Höhe oder weiter oben. Je tiefer, desto dezenter der Effekt und desto unauffälliger das Herauswachsen.
Warum wachsen Taper Fades besser heraus als Skin Fades?
Weil der Übergang fließender angelegt ist. Beim Skin Fade entsteht durch das Nachwachsen eine sichtbare Kante, beim Taper verschiebt sich der Verlauf nur nach oben.
Lohnt sich Messertechnik heute noch?
Gerade jetzt. Sie erzeugt Texturen, die mit Schere und Maschine nicht erreichbar sind – und sie beherrschen nicht mehr viele. Das macht sie zum Unterscheidungsmerkmal.
Wie bekomme ich mein Team auf diesen Stand?
Frag unverbindlich an – wir schauen uns an, wo ihr steht, und schlagen einen passenden Schwerpunkt vor.
