Kim Mannes startete ihre Karriere mit einer Trainerausbildung (HWK) und der Ausbildung zur HWK-geprüften Make-up Artist an der Deutschen Friseurakademie. Sie führte dfa-Salonschulungen durch, arbeitete einige Zeit als Stylistin auf einem Kreuzfahrtschiff und bereiste die Welt. Seit ihrer Rückkehr genießt sie die verschiedenen Seiten ihres Lieblingsberufs: Salonarbeit, Schulungen und Backstage.
Heute ist sie Dozentin für die Aufstiegsfortbildung Make-up Artist an der dfa und holt sich ihre Inspiration unter anderem in der Welt der Fashion Shows. Zusammen mit dfa-Dozentin Barbara Hostalka war sie Ende Mai eine der Stylistinnen beim Wettbewerb der Regent’s University in London. Ihr Fazit nach drei Tagen Backstage:
Persönlich nehme ich aus dieser Reise mit, dass man unbedingt alle Möglichkeiten einfach ausprobieren sollte. Es ist wichtig, immer wieder seine Komfortzone zu verlassen, um einen neuen oder anderen Blickwinkel zu gewinnen. Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, dass alle ausgesprochen freundlich waren – trotz des hohen Anspruchs, den jedes Team an sich hatte. Es war eine rundum gute Stimmung, da fühlt sich Arbeit nicht nach Arbeit an und die Leidenschaft hat mehr Platz, sich auszubreiten. Jeder Austausch ist ein besonderer Moment und kann ein weiterer Schritt für deine Zukunft sein.
Die dfa-Redaktion hat bei Kim Mannes nachgefragt.
Ankommen in London
dfa: Wie hast du die gemeinsame Reise nach London erlebt, von der Anreise bis zum ersten Moment an der Regent’s University?
Kim Mannes: Ich war schon Wochen vorher voller Vorfreude: eine neue Stadt, neue Menschen kennenzulernen, neue Trends zu entdecken und den großartigen Austausch zu erleben, der in den Tagen passiert. So eine Arbeit bietet einem sehr viel, man wächst ständig an sich selbst, wenn man in einem anderen Land mit so vielen unterschiedlichen Menschen kreativ arbeitet. Zudem war die Location wunderschön, ein grüner Fleck mitten in London, wo ganz viel Kreativität stattfindet. Sehr inspirierend.
Vorbereitung auf ein internationales Runway-Event
dfa: Du bist selbst Friseurtrainerin und Make-up Artist. Wie hast du dich auf das internationale Fashion- und Runway-Event vorbereitet?
Kim Mannes: Zunächst ist der Austausch mit dem Team wichtig. Da viele Make-up Artists für sich selbst arbeiten, ist es umso schöner, wenn man als Team unterwegs ist, sich gegenseitig unterstützt und inspiriert. Eine gute Vorbereitung und Organisation ist die halbe Miete, Barbara hat uns als Head of Make-up rund um die Uhr mit allen Infos versorgt, was es mir persönlich sehr leicht gemacht hat, mich vorzubereiten. Wenn man weiß, was zu tun ist, kann man genau die Produkte einpacken, die benötigt werden. Und es ist natürlich immer wichtig, sich zu informieren: Wo ist man? Um was geht es bei dem Job? Also habe ich mich gründlich über die Regent’s University informiert.
Salon, Schulung, Backstage – drei verschiedene Welten
dfa: Was war für dich der größte Unterschied zwischen der Arbeit im Salon oder im Schulungsbereich und der Arbeit backstage bei einer Runway Show?
Kim Mannes: Im Salon habe ich die Möglichkeit, mir die Zeit für jeden Kunden zu nehmen und auf seine individuellen Wünsche einzugehen. Die Beziehung zwischen Kunden und Friseur hat oft eine längere Geschichte und es kommen viel mehr Emotionen zusammen. Im Schulungsbereich ist es faszinierend, welche Ergebnisse schon nach kürzester Zeit entstehen können, und ich bin auch immer wieder begeistert und dankbar, welche wertvollen Tipps und Tricks ich auch als Dozentin nach jeder Schulung mitnehmen darf.
Kim Mannes: Backstage fasziniert mich dagegen die Energie, die Kreativität und die Herausforderung, unter höherem Zeitdruck gemeinsam mit einem Team einen Look für den perfekten Auftritt zu kreieren. Die Haar- und Make-up-Welt ist so groß, und nur wenn man offen ist, hat man die Möglichkeit, vieles zu entdecken, neue Menschen kennenzulernen und auch Freunde auf der ganzen Welt zu finden. Ich liebe alle Seiten, denn das zeigt, wie vielseitig und einfach nur bereichernd der Friseurberuf sein kann.
dfa: Deine London-Erfahrung in drei Worten?
Kim Mannes: Inspirierend – bereichernd – lehrreich.
Was hinter dem Showcase der Regent’s University steckt
Die Regent’s University veranstaltet jährlich einen Fashion & Design Showcase, die Abschlussveranstaltung der Fashion- und Designstudiengänge. Die Kollektionen werden auf dem Catwalk vor Branchenvertretern, Presse und Designexperten präsentiert und prämiert. Bei den Catwalk-Shows arbeiten renommierte Hairstylisten und Salonpartner mit den Designern zusammen.
Häufige Fragen
Wie kommt man überhaupt an Backstage-Jobs?
Über Netzwerk und über Teams, selten über Bewerbungen. Wer bei Schulungen, Wettbewerben und Shows sichtbar ist, wird gefragt, wenn ein Team kurzfristig Verstärkung braucht. Genau deshalb lohnt der Austausch, den Kim Mannes beschreibt – der nächste Job entsteht meist aus dem letzten.
Was unterscheidet Backstage-Arbeit vom Salonalltag?
Zeit und Verantwortung verteilen sich anders. Im Salon gehört der Kunde dir, backstage gehört der Look dem Team und der Kollektion. Es wird schnell gearbeitet, nach Vorgabe, und trotzdem muss jedes Ergebnis auf dem Laufsteg bestehen.
Welche Ausbildung braucht man als Make-up Artist?
Der Beruf ist nicht geschützt, aber ein Abschluss macht den Unterschied bei Auftraggebern. An der dfa führt der Weg über die Aufstiegsfortbildung zum geprüften Visagisten und Make-up Artist (HWK). Wer zusätzlich unterrichten möchte, wie Kim Mannes, kann die Weiterbildung zum Friseurtrainer (HWK) anschließen.
Lohnt sich der Schritt aus der Komfortzone?
Ihre Antwort ist eindeutig. Und sie deckt sich mit dem, was wir von vielen Absolventinnen und Absolventen hören: Die Wege im Friseurhandwerk verlaufen selten geradlinig. Welche es gibt, zeigt unser Beitrag zu den Karrierewegen im Friseurhandwerk.
Dieses Interview erschien zuerst im Setcard-Magazin.
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