Die multidimensionale Balayage ist kein statisches Farbergebnis. Durch das bewusste Zusammenspiel unterschiedlicher Helligkeitsstufen, gezielt gesetzter Highlights und erhaltener Tiefen entsteht ein Farbbild, das je nach Bewegung, Lichteinfall und Styling immer wieder neue Facetten zeigt. Das Ergebnis ist ein Look mit Tiefe, Bewegung und optischer Dynamik, individuell aufgebaut und präzise auf Haar und Kundin abgestimmt.
Vor dem ersten Pinselstrich lohnt deshalb der Blick auf das spätere Ergebnis, nicht nur auf die einzelnen Abteilungen. Wie fällt das Haar? Wo entsteht Bewegung? Welche Partien sollen das Gesicht betonen, und wo braucht der Look bewusst Schatten, damit die helleren Bereiche überhaupt ihre Wirkung entfalten können?
Antworten darauf hat Angela Brabänder, Dozentin an der Deutschen Friseurakademie und Trainerin für internationale Haarkosmetik-Unternehmen. Sie erklärt, wie sich die Entwicklung zu natürlicheren Farbverläufen in der Weiterbildung widerspiegelt und warum Präzision und eine klare Ausstrahlung dabei entscheidend sind.
Von der Technik zum individuellen Farbkonzept
dfa: Als Trainerin für internationale Haarkosmetik-Unternehmen sind Sie ganz nah an den aktuellen und zukünftigen Trends. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Angela Brabänder: Für mich entwickelt sich Balayage immer mehr weg von einer einzelnen Technik hin zu einem individuellen Farbkonzept. Nicht jede Kundin braucht dieselbe Platzierung oder dieselbe Helligkeit. Entscheidend sind Haarstruktur, Ausgangsfarbe, Haarschnitt, Gesichtsform und natürlich der Wunsch der Kundin. Die Zukunft sehe ich deshalb in maßgeschneiderten Techniken und Kombinationen aus Balayage, Strähnen, Macrolights und gezielt gesetzter Tiefe.
Die wichtigste Grundlage: das Haar lesen können
dfa: Welche technischen Grundlagen sind unverzichtbar?
A.B.: Die wichtigste Grundlage ist für mich, das Haar lesen zu können. Wo brauche ich Helligkeit, wo muss Tiefe erhalten bleiben und wie beeinflusst meine Abteilung das spätere Ergebnis? Dazu gehören Farbtheorie, Blondiergrundlagen, saubere Sektionen, die richtige Produktmenge und ein Verständnis dafür, wie unterschiedliche Techniken miteinander kombiniert werden können.
Genau diese Grundlagen stehen im Zentrum der Weiterbildung zum geprüften Colorist (HWK): Farblehre, Blondierung und mehrdimensionale Farbe als System, nicht als Rezept.
Wann aus Technik eine eigene Handschrift wird
dfa: Was bedeutet es, eine eigene Handschrift in der Farbarbeit zu entwickeln?
A.B.: Eine eigene Handschrift entsteht dann, wenn aus erlernten Techniken Erfahrung, Kreativität und Intuition werden. Man arbeitet nicht mehr nach Schema F, sondern entwickelt Farbkonzepte, die individuell zur Kundin passen und trotzdem den eigenen Stil erkennen lassen.
Wie dieser Weg vom Nachmachen zum eigenen Stil aussieht, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben: Trends übersetzen statt kopieren.
Beratung: Machbarkeit, Kosten, Pflege
dfa: Welche Rolle spielt die Beratung? Was muss man unbedingt kommunizieren?
A.B.: Eine gute Beratung schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch realistische Erwartungen – und genau das ist die Grundlage für ein Ergebnis, mit dem Kundin und Friseur langfristig glücklich sind. Ich würde bei der Kommunikation außerdem immer die Punkte Machbarkeit, Haarschonung, Kosten, Zeitaufwand, Pflege zu Hause und Folgetermine ansprechen. Gerade die Transparenz darüber, dass manche Wunschfarben mehrere Sitzungen benötigen, verhindert spätere Enttäuschungen.
Eine Struktur für genau dieses Gespräch findest du in unserem Beitrag zur Farbberatung in fünf Schritten.
Das Finish ist die Visitenkarte der Farbarbeit
dfa: Welche Rolle spielt das Finish?
A.B.: Das Finish ist die Visitenkarte der Farbarbeit. Es bringt die Technik zum Strahlen, unterstreicht die Dimension und entscheidet letztendlich darüber, wie hochwertig das Ergebnis wahrgenommen wird.
Was Teilnehmende aus dem Seminar mitnehmen
dfa: Was ist der Kern Ihrer Seminare?
A.B.: Ich möchte in meinen Seminaren nicht einfach eine Technik vermitteln, sondern ein Verständnis für Farbe, Helligkeit, Tiefe und Platzierung schaffen. Mein Ziel ist, dass jeder Teilnehmer mit mehr Sicherheit, neuen Ideen und vor allem Lust auf Farbe zurück in den Salon geht.
Häufige Fragen
Was unterscheidet die multidimensionale Balayage von einer klassischen Balayage?
Bei der klassischen Balayage steht die Aufhellung im Vordergrund. Multidimensional heißt, dass Helligkeit und Tiefe bewusst zusammen geplant werden: Erhaltene dunklere Partien lassen die hellen Bereiche überhaupt erst wirken und geben dem Haar sichtbare Bewegung.
Für welches Haar eignet sich die Technik?
Grundsätzlich für jede Haarstruktur, aber nicht mit jedem Ergebnis. Ausgangsfarbe, Vorbehandlungen und Haarzustand entscheiden darüber, wie hell und wie kontrastreich es werden kann. Das gehört vor den Termin, nicht in die Nachbesprechung.
Warum braucht ein heller Look manchmal mehrere Sitzungen?
Weil Haarschonung und Wunschhelligkeit gegeneinander stehen. Wer in einem Termin zu viel will, riskiert die Haarstruktur. Wird das vorher offen angesprochen, ist die zweite Sitzung kein Nachbessern, sondern ein geplanter Schritt.
Wo lerne ich mehrdimensionale Farbtechniken?
In den Colorationsseminaren der dfa und systematisch in der Weiterbildung zum Colorist (HWK). Wer im eigenen Team schulen möchte, kann eine Salonschulung direkt in den Salon holen.
Du möchtest deine Farbtechnik auf ein neues Niveau bringen? Hier geht es zur kostenlosen Beratung.
