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Salon & Business

Salon neu denken: Diversität, Unisexpreise und Inklusion – was ist Trend, was ist wichtig?

Unterschiedliche Haarstrukturen, geschlechtsneutrale Preise, barrierearme Abläufe: Fünf Ansatzpunkte, mit denen ein Salon inklusiver und zugleich attraktiver für Kund:innen und Mitarbeitende wird.

10.07.2026
Lesezeit
Illustration: drei Kopfprofile mit unterschiedlichen Frisuren neben einem leeren Preisschild

Die Friseurbranche lebt von Individualität. Trotzdem orientierten sich viele Salons lange an relativ festen Vorstellungen von Haar, Schönheit und Kundengruppen. Das verändert sich. Kund:innen erwarten heute ein Angebot, das unterschiedliche Haarstrukturen, Haarfarben, Identitäten und Bedürfnisse selbstverständlich berücksichtigt.

Vielfalt ist ein gesellschaftlicher Trend und für Salons eine Chance. Schulungen zu unterschiedlichen Haar- und Frisurentraditionen erweitern das Fachwissen, und Salons können neue Zielgruppen gewinnen. Wer Angebote und Preise daraufhin überprüft und Barrieren Schritt für Schritt abbaut, macht seinen Salon inklusiver und vor allem attraktiver, für Kund:innen und für Mitarbeiter:innen. Der Salon positioniert sich damit als moderner, offener und zukunftsfähiger Betrieb.

1. Kompetenz für unterschiedliche Haarstrukturen aufbauen

Lockiges, krauses, glattes, dickes oder besonders feines Haar stellt jeweils eigene Anforderungen an Schnitt, Pflege und Styling. Weiterbildungen zu verschiedenen Haarstrukturen und -typen sichern Fachkompetenz für alle Kund:innen und bauen im Team gezieltes Wissen auf. Passende Tagesseminare, etwa zu Locken, findest du in unserer Seminarübersicht.

2. Das Angebot vielfältiger gestalten

Auch Produktauswahl und Beratung sollten unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen. Nicht jedes Haar braucht dieselbe Pflege, und nicht jede Kundin oder jeder Kunde sucht das gleiche Ergebnis. Das heißt weder Beratung nach festem Schema noch möglichst viele Produkte im Regal. Für beides gilt: besser individuell und gezielt. Entscheidend ist, welches Produkt und welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll sind. Wie ein solches Gespräch aufgebaut sein kann, zeigt unser Beitrag zum Beratungsgespräch.

3. Unisexpreise: Leistung statt Geschlecht

Ein besonders aktuelles Thema sind geschlechtsneutrale Preise. Unterschiedliche Damen- und Herrentarife für dieselbe Dienstleistung sind nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) problematisch, das hier auf europäisches Recht zurückgeht. Preisunterschiede brauchen einen sachlichen Grund. Für Saloninhaber:innen bedeutet das: Die Preiskalkulation sollte transparent sein und auf objektiven Kriterien beruhen.

Bei Unisexpreisen bestimmt nicht das Geschlecht den Preis, sondern die tatsächliche Dienstleistung. Haarlänge, Haarmenge, Zeitaufwand, Technik und gewünschtes Ergebnis sind die Basis. Neben der rechtlichen Absicherung bringt die Umstellung auch betriebswirtschaftliche Vorteile: Eine Preisliste nach Aufwand ist für Kund:innen nachvollziehbar, stärkt das Vertrauen und macht die Umsatzplanung des Salons verlässlicher. Wie du den Wert deiner Leistung sauber berechnest, steht in unserem Beitrag Preise kalkulieren im Friseursalon.

Wichtig bei der Umstellung:

  • Preise nach Aufwand, Leistung und Haarlänge kalkulieren.
  • Zeit- und Materialaufwand transparent darstellen.
  • Das Team in die Gestaltung der neuen Preisstruktur einbeziehen.

4. Barrieren erkennen und abbauen

Inklusion betrifft auch Räume und Service. Nicht jeder Mensch kann einen Salon unter den gleichen Voraussetzungen besuchen.

Ein erster Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo gibt es Hindernisse? Ist der Eingang zugänglich? Gibt es ausreichend Bewegungsfläche? Können Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen bequem beraten und behandelt werden? Nicht jede Veränderung muss gleich ein Umbau sein. Oft beginnen Verbesserungen mit kleinen, praktischen Maßnahmen und mehr Sensibilität im Team. Anregungen zur Einrichtung liefert unser Beitrag Salon 2026: Wenn Gesundheit zum Einrichtungskonzept wird.

5. Kulturelle Vielfalt als Inspiration nutzen

Internationale Trends und kulturelle Einflüsse bereichern die Friseurbranche seit jeher. Wer unterschiedliche Schnitt- und Flechttechniken, Stylingformen und Schönheitsideale kennt und beherrscht, schafft ein Angebot, das kulturelle Vielfalt respektiert und zugleich professionell umgesetzt wird.

Entscheidend ist die Haltung im Team

Vielfalt und Inklusion funktionieren nicht allein über eine neue Preisliste oder ein erweitertes Sortiment. Entscheidend ist, wie das Team denkt und arbeitet.

Fünf Fragen für eure nächste Teambesprechung:

  1. Welche Kundengruppen erreichen wir heute noch nicht?
  2. Für welche Haarstrukturen fehlt uns fachliches Know-how?
  3. Wo schaffen unsere Preise oder Abläufe unnötige Grenzen?
  4. Welche konkrete Veränderung können wir in den nächsten drei Monaten umsetzen?
  5. Oder umgekehrt: Wollen wir uns bewusst auf eine ausgewählte Zielgruppe konzentrieren, und können wir uns das leisten?

Häufige Fragen

Dürfen Friseure unterschiedliche Preise für Damen und Herren nehmen?

Nicht allein wegen des Geschlechts. Unterschiedliche Preise für dieselbe Leistung sind nach dem AGG problematisch. Zulässig sind Unterschiede, die sich sachlich begründen lassen, etwa durch Haarlänge, Zeit- oder Materialaufwand. Das ist keine Rechtsberatung – im Zweifel lohnt eine kurze Prüfung durch Innung oder Anwalt.

Wie stelle ich meine Preisliste auf Unisexpreise um?

Leistungen nach Aufwand gliedern statt nach Geschlecht, zum Beispiel nach Haarlänge und Technik, und für jede Stufe Zeit und Material neu kalkulieren. Das Team sollte die neue Struktur mittragen, weil es sie an der Rezeption und im Gespräch erklären muss.

Wo fange ich beim Thema Barrierefreiheit an?

Mit einem Rundgang aus Kundensicht: Eingang, Wege, Waschplatz, Bedienstuhl, Toilette. Viele Verbesserungen sind kleine Maßnahmen, etwa mehr Bewegungsfläche oder ein höhenverstellbarer Platz, und kein kompletter Umbau.

Ihr wollt euer Team für unterschiedliche Haarstrukturen und Kundengruppen fit machen? Eine Salonschulung bringt einen dfa-Trainer direkt in euren Salon. Hier geht es zur kostenlosen Beratung.

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