Trinkgeld im Friseursalon ist ein Zeichen der Wertschätzung für gute Arbeit – und für viele Friseurinnen und Friseure gehört es einfach dazu. Als grobe Orientierung gelten 5 bis 10 Prozent des Rechnungsbetrags oder das Aufrunden. Entscheidend ist immer die Zufriedenheit der Kundin oder des Kunden. Weil aber immer mehr Menschen mit Karte oder Smartphone bezahlen, stellt sich für jeden Salon eine praktische Frage: Wie kommt das Trinkgeld eigentlich bei den Mitarbeitenden an?
Dafür gibt es vier gängige Modelle. Jedes hat Vor- und Nachteile – für die Kundschaft, fürs Team und für die Kasse.
Wie viel Trinkgeld ist beim Friseur üblich?
Eine feste Regel gibt es nicht. Üblich sind 5 bis 10 Prozent oder ein aufgerundeter Betrag. Trinkgeld ist freiwillig – niemand im Salon sollte es erwarten oder einfordern. Wer es bekommt, bekommt es für eine Leistung, die über das Vereinbarte hinaus überzeugt hat: gute Beratung, ein Ergebnis, das sitzt, und eine Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt.
Die vier Trinkgeld-Modelle im Überblick
1. Direkt in die Hand
Die Kundin oder der Kunde gibt das Trinkgeld direkt der Friseurin oder dem Friseur.
- Vorteil: direkt, unkompliziert, und die Wertschätzung kommt genau bei der Person an, die die Arbeit gemacht hat.
- Nachteil: funktioniert nur mit Bargeld – und das haben immer weniger Kundinnen und Kunden dabei.
2. Trinkgeld per Karte
Beim Bezahlen mit Karte oder Smartphone wählt die Kundschaft am Terminal einen Trinkgeldbetrag aus oder gibt einen individuellen Betrag ein. Der Salon ordnet ihn der jeweiligen Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter zu und zahlt ihn später aus.
- Vorteil: kein Bargeld nötig, unkompliziert für die Kundschaft – auch wer nichts Passendes im Portemonnaie hat, kann Trinkgeld geben.
- Nachteil: Der Salon muss die Beträge sauber zuordnen, dokumentieren und vollständig weitergeben. Das braucht ein Kassensystem, das Trinkgeld getrennt vom Umsatz erfasst.
3. Gemeinsame Trinkgeldkasse
Alles Trinkgeld kommt in eine gemeinsame Kasse und wird am Ende eines festgelegten Zeitraums auf das Team verteilt.
- Vorteil: stärkt den Teamgedanken. Auch Rezeption, Auszubildende und Assistenzkräfte profitieren – also alle, die zum Ergebnis beitragen, aber selten direkt etwas bekommen.
- Nachteil: Für einzelne Stylistinnen und Stylisten kann es weniger motivierend sein, wenn besondere Leistung nicht sichtbar belohnt wird. Wichtig ist deshalb ein Verteilschlüssel, den das Team kennt und für fair hält – etwa nach Arbeitsstunden.
4. Persönliche Trinkgeldboxen
Einige Salons stellen für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter eine eigene kleine Box auf.
- Vorteil: Die Kundschaft entscheidet selbst, wem sie Trinkgeld gibt – auch wenn mehrere Personen an einem Termin beteiligt waren.
- Nachteil: wieder nur mit Bargeld, und am Empfang braucht es etwas Platz.
Trinkgeld und Steuern: was Saloninhaber wissen sollten
Für angestellte Friseurinnen und Friseure ist Trinkgeld in Deutschland steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG) – aber nur, wenn es bestimmte Bedingungen erfüllt:
- Es wird freiwillig gegeben, ohne Rechtsanspruch.
- Es kommt von der Kundschaft, zusätzlich zum Preis der Leistung.
- Es geht an Angestellte.
Daraus folgen drei Punkte, die im Salonalltag oft übersehen werden:
- Kartenzahlung ist kein Problem. Dass das Trinkgeld über das Salonkonto läuft, ändert an der Steuerfreiheit nichts, solange der Salon es nur weiterreicht – vollständig und nachvollziehbar dokumentiert.
- Auch die gemeinsame Kasse kann steuerfrei bleiben, wenn das Geld von der Kundschaft stammt und dem Team zusteht. Wie der Betrag verteilt wird, entscheidet der Salon oder das Team.
- Trinkgeld an die Inhaberin oder den Inhaber ist nicht steuerfrei. Es zählt zu den Betriebseinnahmen. Wer als Chefin oder Chef selbst am Stuhl steht und aus der gemeinsamen Kasse etwas bekommt, sollte das mit der Steuerberatung sauber regeln.
Steuerpflichtig wird es außerdem, wenn Trinkgeld als fester Bestandteil des Lohns behandelt oder vom Salon selbst gezahlt wird. Die genaue Umsetzung – vor allem die Erfassung im Kassensystem – solltest du mit deiner Steuerberatung abstimmen.
Der Trend geht zur Kartenzahlung
Immer mehr Salons setzen auf Kassensysteme, bei denen die Kundschaft den Trinkgeldbetrag direkt am Kartenlesegerät auswählt. Das ist für beide Seiten bequem – und für den Salon eine Gelegenheit, das Thema transparent zu regeln, statt es dem Zufall zu überlassen.
Ein paar Dinge helfen dabei:
- Eine klare Regel im Team: Welches Modell gilt, wie wird verteilt, wann wird ausgezahlt? Schriftlich festhalten, damit es später keine Diskussionen gibt.
- Transparenz für die Mitarbeitenden: Wer sieht, was für ihn oder sie eingegangen ist, vertraut dem System.
- Kein Druck auf die Kundschaft: Vorschläge am Terminal sind in Ordnung, eine Option „kein Trinkgeld“ gehört aber gut sichtbar dazu.
Trinkgeld beginnt beim Service
Am Ende hängt Trinkgeld weniger vom Modell ab als von der Leistung davor: einer Beratung, die zeigt, dass man zugehört hat, einem Ergebnis, das hält, was besprochen wurde, und einem Umgang, bei dem sich die Kundin gut aufgehoben fühlt. Wie ein Beratungsgespräch aufgebaut sein sollte, liest du im Beitrag Das Beratungsgespräch. Und wer mit dem Team gezielt an Service und Beratung arbeiten will, findet in der Salonschulung ein Training direkt im eigenen Betrieb.
Häufige Fragen
Wie viel Trinkgeld gibt man beim Friseur?
Üblich sind 5 bis 10 Prozent des Rechnungsbetrags oder ein Aufrunden. Trinkgeld ist freiwillig und richtet sich danach, wie zufrieden man mit Beratung und Ergebnis ist.
Ist Trinkgeld per Karte für Friseure steuerfrei?
Für Angestellte ja, wenn das Trinkgeld freiwillig von der Kundschaft kommt und der Salon es vollständig weitergibt. Dass es zunächst über das Salonkonto läuft, ändert daran nichts.
Muss die Salonchefin ihr Trinkgeld versteuern?
Ja. Die Steuerfreiheit gilt nur für Angestellte. Trinkgeld an die Inhaberin oder den Inhaber zählt zu den Betriebseinnahmen.
Bekommen Auszubildende auch Trinkgeld?
Das hängt vom Modell ab. Bei einer gemeinsamen Trinkgeldkasse profitieren Auszubildende, Rezeption und Assistenzkräfte in der Regel mit – bei Trinkgeld direkt in die Hand meist nur, wenn die Kundschaft sie ausdrücklich bedenkt.
Welches Trinkgeld-Modell ist das beste für den Salon?
Das hängt vom Team ab. Wer Teamgeist stärken will, fährt mit einer gemeinsamen Kasse und einem fairen Verteilschlüssel gut. Wer individuelle Leistung sichtbar belohnen möchte, setzt auf die Zuordnung pro Person – per Karte oder persönlicher Box.
Welches Modell nutzt ihr in eurem Salon – und was funktioniert im Team am besten? Wenn du Service, Beratung und Teamführung in deinem Salon weiterentwickeln willst, sprich uns gern über das Beratungsformular an.
